Im Zweiten Weltkrieg ging bei einem Bombenangriff auf Mönchengladbach sämtliches schriftliche und gedruckte Material verloren, auf dessen Grundlage ein authentischer Rückblick auf die Geschichte des ältesten Mönchengladbacher Radsportvereins hätte geschrieben werden können. Zudem wurde der gesamte materielle Besitz des Vereins, darunter das wertvolle und z.T. mehrere Jahrzehnte alte Radmaterial und die aus der Zeit um die Jahrhundertwende stammende Vereinsstandarte mit Schärpen und Trophäen, vernichtet.

Es war ein Glücksfall, daß dem Verein Ende der vierziger Jahre die privaten Aufzeichnungen des kurz nach dem Zweiten Weltkrieg verstorbenen Gründungsmitglieds Ferdinand Hillekamp zur Verfügung gestellt wurden, so daß es an Hand dieser Notizen möglich war, die Vereinsgeschichte von der Gründung bis in die dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts zurück zu verfolgen.

Radsport - nur für "Gutbetuchte"

Beginnen wir jedoch zunächst mit einer generellen Übersicht über das sportliche Geschehen in M.Gladbach zur Zeit der Vereinsgründung. Damals existierten allein der 1836 gegründete "M.Gladbacher Schützenverein", der "Turnverein 1848" sowie zwei Rad-Vereine, nämlich der "Rad-Verein 1884" und der "Gladbacher Veloziped-Club 1885". Die Mitgliedschaft in diesen Rad-Vereinen stand jedoch nur wenigen, gutbetuchten Gladbachern offen, die sich eines der damals vorwiegend aus England importierten, verhältnismäßig teueren Hochräder leisten konnten. Immerhin entsprach der Anschaffungspreis eines englischen Hochrades dem heutigen Preis eines Mittelklassewagens. Hochräder der englischen Firmen Cleveland und Swift waren in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts "in". Um 1890 wurden die "Safety Cycles" (Sicherheitsräder mit Kreuz- und Trapezrahmen) eingeführt. Zu den teils bis in die heutige Zeit als Autohersteller weltbekannte Firmen, die damals in der Velo-Produktion führend waren, zählten u.a. die Firmen Hillman, Humber, Singer und Rover. Wir müssen allerdings von der Annahme ausgehen, daß die

ersten Radsportler Gladbachs sich noch des Hochrades bedienten. Es gehörte sicherlich ein hohes Maß an Mut und Geschicklichkeit dazu, ein Hochrad in stolzer Haltung über das Kopfsteinpflaster der innerstädtischen Straßen zu bewegen. Und dennoch wurden auch damals schon Rennen auf Hochrädern, so in der näheren Umgebung bereits 1885 in Krefeld und später auch in Duisburg und Köln. An diesen Rennen nahm auch der Gladbacher Radsportpionier Franz Bongartz teil, der, ebenso wie der Gründer des “Gladbacher Veloziped Club” Otto Weber, nach Auflösung dieses Vereins der “Schwalbe” beitrat.

Auf Rennmaschinen dieses Typs wurde im Jahr 1868 das ertse Straßen-Radrennen der Welt von Paris nach Rouen über ca. 120 km ausgefahren.